One Man Show Kabarett im Jazzkeller Krefeld
"EIN BAUCH IST SCHON MAL EIN ANSATZ!" So lautet das Motto von Volker Diefes in seinem OneManShowKabarett. Diefes singt und spielt mit Inbrunst und zeigt, das grosse Gefühle auch im Kabarett und in der Comedy möglich sind. Er setzt Bierbäuche gegen Abnehmwahn, Rauchverbote gegen Lebensfreude und griffige Wortwitze gegen mediale Bildersintfluten. Dabei bewegt sich Diefes genau an der Grenze zum Mainstream und schlägt ihn mit seinen eigenen Waffen. Im Zentrum stehen seine eigenen Songs mit Ohrwurmcharakter, die Diefes gemeinsam mit seinem Musik Produzenten Michel C. Kent im Studio aufgenommen hat. Sehen Sie einen fulminanten Kabarett und Comedy Abend gegen Abnehmwahn und Diätenerhöhung. Ausgezeichnet mit dem 2. Platz beim Nachwuchswettbewerb “AMICI ARTIUM 2009“ in Ottobrunn und 3. Platz beim Schwelmer Kleinkunstpreis 2010.
GALERIE THEATER - WOLFSBURG
Volker Diefes hat Lifestyle-Allergie
Kabarettist plauderte im Galerie-Theater über die Vorzüge eines Bier-Bauchs
Von Bettina Jaeschke
STADTMITTE. "Ich bin gegen Abnehmwahn und Diätenerhöhung", stellte Volker Diefes klar. Mit seinem Kabarettprogramm "Ein Bauch ist schon mal ein Ansatz" gastierte er Samstagabend im Galerie-Theater.
Jawohl, er hatte ihn mitgebracht und hat ihn stets dabei – seinen Bauch. "Das ist eine echte Warsteiner-Wampe", sagte er.
Gleich sein erster Song handelte von seinem "sexy Bauch". Dazu wackelte er mit den Hüften, zupfte sich das Hemd leicht aus der Hose und gestattete den einen oder anderen Blick auf seinen Bauch.
"Früher war das Schönheitsideal noch anders", stellte Diefes fest. "Erinnert ihr euch noch an die Bilder von Rubens?". Doch nicht nur das. Überhaupt habe sich heute einiges verändert. "Dieser Leistungsdruck, die Welt da draußen ist so bunt geworden. Ich komme mit der Benutzeroberfläche nicht mehr zurecht."
Jeder von uns habe 18 Telefonnummern, um seine drei Verwandten zu erreichen. Und in der Multioptionsgesellschaft wisse man gar nicht, was man mit seiner Freizeit anfangen solle. Selbst beim Einkauf fange das an. Diese Seife oder doch lieber jene?
"Neulich habe ich meine Freundin gesucht. Da habe ich bei Facebook nachgeschlagen", erzählte er. Wer früher noch aus dem Fenster geschaut habe, ob er mit dem Rad zur Arbeit fahren könne, schaue heute im Internet nach, wie das Wetter sei. "Alles wird aufgepimpt und aufgemotzt. Ich komme da irgendwie nicht mehr hinterher."
Nicht jeder wolle sexy und geil sein. "Ich kriege da eine Lifestyle-Allergie", sagte Diefes. Den passenden Song dazu hatte er ebenfalls mitgebracht. Doch nicht nur dazu. Immer wieder begann er, Stücke zum Besten zu geben. Bei "Mittelmäßig" animierte er das Publikum zum Mitmachen. Andreas in der ersten Reihe guckte er sich als Groupie aus, der schreien musste: "Volker, ich will ein Kind von dir".
Diefes verstand es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen und immer wieder zum Lachen zu bringen. Das war beste Unterhaltung.
Als Mensch lieber pur, statt sexy und geil
WEISWEIL. Volker Egon Diefes hat getan, was ihm sein Namen und sein Geburtsort Krefeld am Niederrhein nahelegten: Er wurde nicht Oscar-verdächtiger Schauspieler, sondern Kabarettist. Was sonst hätte der Mann auch tun sollen, der findet "ein Bauch ist schon mal ein Ansatz". So heißt sein Programm, das er am Samstag im Fenster auf die Bühne brachte.
Dabei ging es nicht nur um Abnehmwahn und Hungerhaken. Es hatte viele Fassetten, eben alles, was das ganz normale Leben so mit sich bringt. Volker Diefes stellte den Zeitgenossen vor, der nicht recht weiß, wo es langgeht. Der Kopf ist voll mit Werbesprüchen – "warum merk ich mir das nur?" Er wehrt sich gegen das Gefühl, ständig "sexy und geil" sein zu sollen, plädiert für mehr Gelassenheit und kommt am Ende zu dem Schluss, dass er als Mensch lieber pur sein will, mit Schwitzen und Versprechern, nicht perfekt und eben auch mit Bauch.
Seinen Zuhörern bringt er das nach allen Regeln der Kunst bei: Diefes plaudert mühe- und pausenlos, er singt seine Songs nach bekannter Musik und mit überraschendem Text, und er kann auch wunderbar nachahmen. Das stellte er in Weisweil beim Kulturverein "’s Fenster" mit einem Dialog zwischen Altkanzler Kohl und Angela Merkel in überzeugender Weise vor.
Diefes ist der Mann, der sein Publikum ermahnte, ein bisschen Langeweile einfach mal auszuhalten, aber selbst auf der Bühne keinen Augenblick langweilig wurde. Dazu war es viel zu kurzweilig ihm zuzuhören, etwa wenn er über die neue Generation herzieht. Das sind alle jene, die irgendwie jünger oder anders sind, ohne Navigationsgerät nicht mehr von der Küche ins Schlafzimmer oder umgekehrt finden und nicht mehr schlicht eine Brause reparieren, sondern den Browser konfigurieren.
Weisweils Fenster-Publikum jedenfalls war kein bisschen gelangweilt, sondern begeistert und ließ Diefes erst nach Zugaben von der Bühne gehen. Als Auftaktveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen war das Programm angekündigt, doch das Jubiläum spielte am Samstag keine Rolle. Der Abend gehörte von Anfang bis Ende Volker Diefes – und ein bisschen auch Michael, einem Mann aus dem Publikum, den sich Diefes für den Abend zum Gegenüber aussah und mit dem er am Ende den Schlussapplaus teilte.
Badische Zeitung vom 11. November 2009
Ein Bauch ist schon mal ein Ansatz
Der Kabarettist plauderte über die Eigenarten seiner Generation, der Ü-30er, über das fünf-Sterne Hotel Mama, das schnell zur JVA werden kann, über Leistungsdruck und ständigen Schönheitswahn, den nicht enden wollenden Informationsfluss und die Angst den Anschluss zu verlieren.
Ernste Themen an denen der ehemalige Politkabarettist den Zuschauern zeigte, dass es sich lohnt auch mal gegen den allgemeinen ‚Trend' zu schwimmen, zu rebellieren. Und besonders zu Herzen nahm er sich die gesellschaftliche Minderheit der Männer mit Bauch: „Über Männer mit Bauch zieht man schamlos her” stellte er fest. Andere Minderheiten hätten es da leichter, „selbst ein Negerkuss heißt heute: farbiger Schaumkuss mit afroamerikanischen Migrationshintergrund.” Als Anwalt des guten Geschmacks, des Selbstwertgefühls und bewährter Werte klagte er über Magermodels, bei denen man gleich an Röntgenbilder denken müsse, über den Untergang antiker Helden, wie Odysseus, den die Jugend von heute für einen deftigen Teller beim Griechen halte und den Trend zur Heirat mit Gütertrennung, „das ist wie Frieden mit Atomwaffen”.
Mit dem einen oder anderen Liedchen fing Diefes den Geist seiner Generation ein, ließ die Zuschauer mit und über sich lachen und ermutigte sie zum träumen, „denn ein Mensch ohne Träume ist wie ein Mann ohne Bauch.”
Ein authentischer Künstler, „ganz normal halt”, wie er selber sagt. Doch darauf komme es ihm schließlich an. Er sei gegen Kostüme, Großveranstaltungen und die Event-Kultur. Er wolle weg von dem Gigantischen wieder hin zum Publikum. „Ich will ganz nah ans Publikum dran. Ich will Theater und Kabarett mit vollem Körpereinsatz machen, ganz ungeschminkt zu Versprechern stehen, denn die Leute sollen wieder Leben erfahren.” Das schien beim Publikum auch so angekommen zu sein. Zweieinhalb Stunden Programm schienen wie im Flug vergangen zu sein. Und Volker Diefes versprach, auch mit seinem neuen Programm, einer Hommage an den Entertainer Harald Juhnke „Comeback- eine Rampensau kehrt zurück” wieder in den Steinhof zu kommen.
WAZ, 15.11.2009, Maria Romanski
Trost für Männer mit Bauchansatz
Von Helmut Bissinger
Kaisheim Weil es in den letzten Monaten schon so viele geschrieben haben, geziemt es sich nicht, auch an dieser Stelle Volker Diefes als „Rampensau“ zu bezeichnen. Krefelds Entertainer Nr. 1 - wie man ihn in seiner Heimat nennt - kann noch viel mehr sein, wie sein Gastspiel im Kaisheimer Thaddäus bewies. Ein Tausendsassa ist er allemal, wirbelt mehr als zwei Stunden in einem One-Man-Show-Kabarett über die Bühne.
Niemals zynisch, immer charmant - ist so ein Comedian? Das will er aber offensichtlich gar nicht sein. Die schnellen Lacher sind nicht sein Ziel an diesem Abend. Er plaudert über die Eigenarten seiner Generation, der Ü-30er, über das Fünf-Sterne-Hotel Mama, das schnell zur JVA werden kann, über Leistungsdruck und ständigen Schönheitswahn, den nicht enden wollenden Informationsfluss und die Angst, den Anschluss zu verlieren.
Dabei setzt der Kabarettist auf seine eigenen Songs, die wegen ihres Ohrwurmcharakters hängen bleiben. Was blieb noch? Gestik, Mimik und die Erinnerung an einen Mann, der herzlich spontan als „ewiger Dicker“ mit seinem Programm „Ein Bauch ist schon mal ein Ansatz“ das Publikum in den Bann zieht. Dies gelingt ihm mit Stand-up-Comedy, mit Kabarett und Improvisation. Das Publikum ist Teil seiner Show. Er zieht es ungeniert mit ein, hat da überhaupt keine Berührungsängste mit den Nordschwaben.
Sein Wortwitz ist hintersinnig, wenn er fragt, ob man von Tokio-Hotel Ohrenkrebs bekommen könne, oder sinniert: „Männer haben Bäuche, sonst wären Männer Frauen“, wenn er vom sexy Bauch singt oder erzählt, wie er mit seinem Neffen einen DVD-Abend mit einem Kasten Krombacher („wir wollten nebenbei mal die Regenwälder retten“) verbringt und anmerkt: „Früher war Odysseus ein Held der Antike, heute ist es ein Grillteller beim Griechen.“ Das langjährige Mitglied des Düsseldorfer Kom(m)ödchens hat mal eine Journalistin als „Heintje vom Niederrhein“ betitelt. Ob ihm das gefallen hat? Wir wissen es nicht. Aber er hat schon einen Hang zu leichten Liedchen.
Authentischer Künstler
Damit fängt er den Geist seiner Generation ein, lässt die Zuschauer mit und über sich lachen, ermutigt sie zum Träumen, „denn ein Mensch ohne Träume ist wie ein Mann ohne Bauch“. Ein authentischer Künstler, „ganz normal halt“, wie er selber sagt. Darauf komme es ihm an.
Sind das nun ernste oder banale Themen, die Volker Diefes anspricht und -singt? In jedem Fall schwimmt er schon gegen den allgemeinen „Trend“, zu rebellieren. Und besonders nahm er sich die gesellschaftliche Minderheit der Männer mit Bauch vor: „Über Männer mit Bauch zieht man schamlos her“, stellt er fest. Da hätten es andere Minderheiten leichter, „selbst ein Negerkuss heißt heute: farbiger Schaumkuss mit afroamerikanischem Migrationshintergrund“.
Eine Frage lässt Diefes an diesem launigen Abend, der ein volles Haus verdient gehabt hätte, offen: „Wer hat eigentlich getestet, dass das Katzenfutter jetzt besser schmeckt?“