Volker Diefes: „Große Gefühle“
von Beate Absalon Vertical August 2008
An einem beschaulichen Dienstagabend im Jazzkeller Krefeld. Zur Erfrischung wird ein kühles Bier bestellt, ein wenig getuschelt und vor der Tür geraucht. Dann erlischt das Licht und aus den Lautsprechern dröhnt ein aufheizendes Intro, Volker Egon Diefes stürmt wie ein Fußballstar die Bühne und heizt mit großen Gefühlen ein. Die Show läuft gut, die Besucher werden immer lockerer und sind so ausgelassen und vergnügt, dass sie Volkers Schmarrn mit spritzigen Zwischenrufen würzen, bei den fetzigen und qualitativ erstaunlich guten Musikeinlagen mitklatschen und -singen und sogar eine mentale Heilung durchs Handauflegen durchmachen. Gandhi und Martin Luther King werden angepriesen, Frau Kanzlerin und pragmatisches, prolliges Männerdenken aufs Korn genommen. Die Themen sind aktuell und generationenübergreifend, sodass sich jeder auf witzige Weise im Dargestellten wieder erkennt und über sich und seine Mitmenschen mit einem Augenzwinkern lachen kann. Nach einer kurzen Abkühlung interviewen wir den 37-Jährigen Kabarettisten im Keller bei jazziger Musik. Er erzählt uns wie alles anfing: „Es hat in der Schule schon begonnen, ich war der Klassenclown und habe gemerkt: Es kommt bei den Mädchen gut an, also blieb ich dran. Das war dann mein Ding!“. Die erste Kabarett-Gruppe, „Die Scheinheiligen“, gründet er 1991 zusammen mit seinem Freund Christian Ehring. Danach arbeitet Volker lange im Düsseldorfer „Kommödchen“ und präsentiert politisches Kabarett. Mit der Zeit erkennt er, dass ihm die Rolle des existenzialischen Intellektuellen nicht entspricht: „Ich will, dass was abgeht und Stimmung in der Bude herrscht, das ist mehr mein Temperament“, erklärt die selbstironische sexy Rampensau. Er erzählt uns, dass er es genieße, gerade in kleinen, gemütlichen Räumlichkeiten wie dem Jazzkeller zu spielen, weil es intimer und er näher an den Leuten sei, was hervorragend zum spielerischen Slogan des neuen Programms „Große Gefühle“ passe. Damit stellt er sich gegen den Trend zur Massenkomsumierung von Comedy, denn er möchte „Unterhaltung mit Köpfchen“. Deswegen schätzt er auch seine Vorbilder Loriot, Volker Pispers und Hagen Rether so sehr: „Die erzählen dir auch wirklich was, da kommst du raus und hast was gelernt“, sagt Volker. Auf die Frage, wie Volker seinen Humor beschreiben würde, antwortet er: „Das ist schwierig zu beschreiben. Das müsst ihr sagen!“ Wir sagen: Findet es heraus, denn nun könnt ihr ihn mit „Große Gefühle“ ab September jeden Dienstag, 20:30 Uhr (Einlass 19:30 Uhr), im Jazzkeller Krefeld an der Lohstraße 92 sehen.